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Armatur als Tropfstein, im Hintergrund
die Station "Ergonomie" -
Rohmaterial und fertige Armaturen
sinnlich erleben -
Der Eingang in eine andere Welt...
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...eine Welt voller Entdeckungen
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Station "Stilwelten"
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Traditionell-wertorientierte Stilwelt
Grohe Water Technology: Erlebnis Dechenhöhle
Eine interaktive Begegnung mit der Grohe Designidee
Hemer. Grohe begreift Design nicht als schöne Hülle, sondern als ganzheitliche Erfahrung mit dem Produkt. In diesem Sinne ist auch die Präsentation von Design in der Dechenhöhle in Iserlohn nicht nur für das Auge, sondern für alle Sinne konzipiert. Das Motto "Design by Grohe: fühlen, sehen, hören, erleben" nimmt Gestalt an in den sechs Stationen, die sich dem Thema "Design" jeweils aus unterschiedlichen Blickwinkeln widmen. Gleichzeitig zeigen sie die Kompetenzfelder auf, in denen sich Grohe bewegt.
Die Dechenhöhle selbst ist mit ihren in Jahrtausenden entstandenen spektakulären Tropfsteinen kaum "von Menschenhand berührt". Die natürliche und von bizarren Formen geprägte Atmosphäre soll die gestalterische Kraft des Menschen anhand seiner Designartefakte in Szene setzen. Eine beeindruckende Vielfalt an Farben und Konturen regt die Fantasie des Besuchers an. Tiere finden sich ebenso in Steinform wieder wie Objekte aus dem täglichen Leben. Ähnelt dieser Tropfstein nicht sogar einer Handbrause?
Ergonomie - einfach be-greifen, was dem Menschen Nutzen bringt
Das leicht "angestaubte" Schlagwort "Form follows function" beinhaltet bereits die Bedeutung der Ergonomie für das Design.
Dies bedingt eine Sichtweise des Designers vom Menschen aus, nicht vom Produkt, das er gestalten möchte. Was braucht beispielsweise ein kleiner Mensch im Gegensatz zu einem besonders großen? Mittlerweile haben die Grundsätze der Ergonomie an verschiedensten Stellen Eingang ins Alltagsleben gefunden. Bügelhebel, wie beispielsweise an der Design-Armaturenlinie "Chiara", erleichtern die Betätigung erheblich. Damit haben sich die Nutzer ebenso schnell angefreundet wie PC-Anwender mit ergonomisch geformten Tastaturen und Computermäusen.
Können Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen überhaupt dasselbe Produkt nutzen? Wie muss ein Gebrauchsgegenstand aussehen, der sich dem älteren Menschen mit sämtlichen vielleicht vorhandenen körperlichen Gebrechen ebenso leicht erschließt wie dem Kind, das intellektuell noch nicht in der Lage ist, die Welt um sich herum komplett zu erfassen, aber dennoch mit den grundlegenden Funktionen klar kommen muss? Die wichtigste Herausforderung an einen Designer ist es dabei, alle diese Aspekte zu berücksichtigen und dennoch ein Produkt zu gestalten, bei dem diese Eigenschaften nicht auf den ersten Blick hervorstechen und den Nutzer dadurch als alt, jung, gebrechlich etc. stigmatisieren. "Universal Design" setzt genau hier an: Produkte sollen für alle nutzbar sein, egal welche körperlichen, geistigen oder seelischen Voraussetzungen sie mitbringen.
Zeitgeist - Anschauungen im ständigen Fluss
Der Zeitgeist einer bestimmten Epoche findet sich im kulturellen und künstlerischen Schaffen wieder, aber auch in vielen Produkten des täglichen Lebens. So verweist beispielsweise der Panton-Chair ganz klar auf seine Pop-art-Herkunft aus den 60er Jahren. Und fast jeder wird sich noch an die schrillen Siebziger oder die neonfarbene Mode der beginnenden achtziger Jahre erinnern.
Design wird immer auch vom Zeitgeist beeinflusst, was teilweise zu Produkten führt, die nur in einem bestimmten Zeitraum "hip" sind und dann schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Dem gegenüber stehen die zeitlosen "Klassiker", die sich im ständigen Fluss der sich wandelnden Anschauungen behaupten, also gewissermaßen über dem Zeitgeist stehen. Die etablierten Marken mit ihrer klar erkennbaren Identität sind hierfür gute Beispiele. Die Armatur "Costa" von Grohe ist ein solches Produkt. Seit Mitte der siebziger Jahre hat sie ihren festen Platz im Grohe Sortiment und ist heute so aktuell wie eh und je. Auch Nivea oder Tempo haben über Jahre ihren festen Platz im täglichen Leben erobert und dabei ihr charakteristisches Erscheinungsbild behalten. Nur in der Rückschau erkennt man, dass die Produkte den Zeitgeist kontinuierlich und in kaum wahrnehmbaren Schritten begleiten.
Designer beschäftigen sich aber nicht nur mit dem Zeitgeist von gestern und heute, besonders wichtig ist der Blick in die Zukunft. Wohin entwickelt sich die Gesellschaft? Was bedeutet dies für die Anforderungen beispielsweise an ein Badezimmer? Und wie können diese Erkenntnisse in Produkte umgesetzt werden? Hier setzt die Diplomarbeit von Florian Bangert an, der in Zusammenarbeit mit Grohe eine Vision vom "Bad der Zukunft" entwickelt hat. Sie thematisiert das Erleben von Wasser und eine Weiterentwicklung des tradierten Bades. Als Perspektive illustriert der neuartige Ansatz einer individuellen Anpassung von Raum und Erscheinungsbild an die Vorlieben des Benutzers.
Stilwelten - Räume für individuellen Ausdruck
Jeder Mensch verwirklicht seinen persönlichen Lebensstil - durch die Wahl seiner Kleidung, seiner Freizeitaktivitäten, seiner Lebensräume. Heute wird auch das Bad zunehmend als Ort erkannt, individuelles ästhetisches Empfinden auszudrücken. Aber manchmal ist es gar nicht so einfach, in der Fülle der Trends, Gestaltungsmöglichkeiten und Angebote den eigenen Stiltyp zu finden. Und welcher Typ Mensch bevorzugt welche Art der Badgestaltung?
Grohe ist dieser Frage nachgegangen und hat vier verschiedene Cluster identifiziert, die in der Station "Stilwelten" dargestellt werden. Schaufensterpuppen verdeutlichen durch ihre Kleidung den Unterschied zwischen puristischem, traditionell-wertorientiertem, historisierendem und modern-avantgardistischem Stil. Die dazu passenden Designarmaturen sind Teil des Szenarios. Beispielsweise wird sich der Purist schnell zum schlichten schwarzen Anzug und der klassischen, an den Bauhausstil angelehnten, Zweigriffarmatur "Atrio" hingezogen fühlen. Romantische Seelen finden sich eher im Design der Armatur "Sinfonia" wieder, einer sinnlichen Zweigriffarmatur, die mit ihrem opulenten Outfit spielt. Sportlich aktive Menschen mit einem Hang zur Avantgarde erfinden ihren eigenen Look durch Kombination modischer Kleidungsstücke. Dazu passt der dynamische Einhebelmischer "Taron". Klassisch wertorientierte Menschen mögen die elegante Stilarmatur "Chiara" - gerne mit Goldapplikation. Modisch zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie gar nicht "mit der Mode gehen", sondern am liebsten zeitlos, aber hochwertig und edel gekleidet sind.
Material - Ästhetik des Sinnlichen
Mit dem Material erhält die Sprache des Designers Substanz. Ist eine Oberfläche rau oder glatt, hart oder weich, strukturiert oder eben? Fühlt sich etwas kühl oder warm an, und welche Empfindungen löst es aus? Wichtige Faktoren für die Wahrnehmung eines Produktes. Deswegen ist die Auswahl des richtigen Materials für den Designer so wichtig: Material ist die Grundlage für unverwechselbare Haptik. Ein sonst völlig gleiches Produkt löst absolut unterschiedliche Reaktionen aus, wenn ein Bestandteil im Material variiert wird. Dies wird in dieser Station deutlich am Beispiel der Armatur "Ectos" aus dem Articulation-Programm von Grohe, die in verschiedenen Materialkombinationen dargestellt wird. Der Körper hat eine ganz andere Anmutung, je nachdem ob er glänzend verchromt, in Sterling oder im matten edelstahlartigen Farbton Silk Metal daher kommt. Bei den Griffen können die Unterschiede zwischen Mattchrom, Glas und Holz erfühlt und besichtigt werden.
Die Formbarkeit von Metall als Werkstoff zeigt sich bei den ausgestellten Rohstoffen. Messing, Kupfer und Zink bilden den Körper einer Armatur, haben aber für sich allein gesehen eine ganz andere, viel archaischere Wirkung. Kaum jemand denkt bei den schweren matten Messingblöcken an eine Mischbatterie. Im Armaturenrohling zeichnet sich die spätere Form bereits ab, das Material wirkt aber immer noch rau und ursprünglich. Ebenso verhält es sich mit dem gepressten Sandkern. Er gibt die innere Form der Armatur und den Lauf des Wassers vor, ist aber immer noch in seiner körnigen Natur als Sand zu erkennen.
Technik - die rationale Seite des Emotionalen
Von den reinen "Äußerlichkeiten" eines Produktes wie Material und Optik abgesehen, müssen auch seine "inneren Werte" überzeugen. Zuverlässige, langlebige Technik war das erste und prägende Markenzeichen der Grohe-Fabrikate und ist auch heute die Basis jeder Armatur. Die langlebigen, verschleißarmen Keramikscheiben in den Mischer-Kartuschen zeugen von der Beständigkeit, die das Unternehmen auch im übertragenen Sinn hat. Den konkreten Praxisbezug vermittelt ein Querschnitt durch eine handelsübliche Einhebel-Wannenbatterie der Serie "Euroeco". Die Mechanik des einfachen Öffnens, Absperrens und Temperierens erschließt sich so ganz einfach.
Tiefe Einblicke in High-tech erlaubt auch der Querschnitt durch einen Brause-Thermostaten. Sicherheit und Komfort für den Anwender sind oberstes Gebot. In ungewöhnlicher Offenheit zeigt die "tranchierte" Armatur nicht nur Insidern, welche Technik für schnelle Temperaturregulierung und Schutz vor Verbrühungen sorgt. Technik auf dem neuesten Stand ist laut Grohe eines der wesentlichsten Merkmale von Qualität. Sie bestimmt den Wert eines Produktes maßgeblich und ist unerlässlich für "gutes Design".
Bedürfnisse - von der lokalen Notwendigkeit zum universellen Anspruch
Märkte sind weltweit ebenso verschieden wie die Menschen, für die sie geschaffen sind. Mit den vielfältigen Nationalitäten, facettenreichen Traditionen und unterschiedlich geprägten Lebenswelten gehen mitunter kaum vergleichbare Bedürfnisse einher. "All business is local", lautet folgerichtig die Maxime, nach welcher Unternehmen sich konsequent mit den Kundenwünschen und Kaufbereitschaften in den einzelnen Regionen befassen. "Relativ neu hingegen", so Andreas Enslin, "ist selbst in global operierenden Firmen die verstärkte Orientierung der Designer an den lokalen und individuellen Besonderheiten. Bisher hat man ein technisches Gerät am Schalter einfach mit ‚on' oder ‚power' beschriftet und es dem Käufer - egal wo - überlassen, dies als Einschalter zu erkennen. Heute und künftig müssen die Designer und Konstrukteure die Produkte noch mehr aus der Perspektive des Anwenders betrachten und entwickeln." Dessen Gewohnheiten und persönliche Anforderungen besser zu berücksichtigen, sei letztlich der wesentliche Anspruch an zeitgemäßes Design.
Stellvertretend für die unterschiedlichen Kulturkreise stellt Grohe an der Station "Bedürfnisse" Szenen aus Fernost, Europa und den USA multimedial vor. Filme beschreiben Lebens(um)welten von Personen aus den jeweiligen Regionen, untermalt mit musikalischen Versatzstücken. Der Sanitärhersteller nimmt hier Bezug auf seine weltweite Verbreitung und präsentiert aktuelle Produkte, die jene drei Kulturkreise reflektieren. Die US-Küchenarmatur "Talia" beispielsweise greift eine Formensprache aus dem nordamerikanischen Subkontinent auf, die auf viele Europäer eher "verspielt" wirken dürfte. Speziell dem mitteleuropäischen Nutzerkreis dürfte eher der Einhebelmischer "Eurofresh" formal zugänglich sein. Schnelle, einfache Bedienung hat hier einen besonders hohen Stellenwert, Zweigriffarmaturen werden tendenziell eher als umständlich empfunden. Speziell für den japanischen Markt hat Grohe einen Brausethermostaten weiterentwickelt. Er trägt der dortigen Lebenssituation Rechnung und berücksichtigt, dass häufig mehrere Generationen auf relativ engem Raum zusammen leben. Daraus resultierte eine Armatur mit zusätzlichen Features wie neuen ergonomischen Griffen und einem erweiterten Verbrühschutz am Heißwasserzulauf: High-tech "made in Germany", konsequent auf fernöstiliche Bedürfnisse abgestimmt. Als ein Beispiel dafür, wie Unternehmen mustergültig Bedürfnisse umsetzen, hat Grohe "im Gegenzug" eine neuartige Gitarre des japanischen Herstellers Yamaha in die Mini-Ausstellung integriert. Die so genannte "Silent Guitar SLG" verfolgt das Konzept, ambitionierten Musikern ein Instrument in die Hand zu legen, mit dem sie einfach und für die Umgebung kaum hörbar üben können, wie auf einer klassischen Gitarre. Denn der Korpus ist auf das Wesentliche - kaum mehr als ein Griffbrett - reduziert. Die Bügel an Ober- und Unterseite haben keine akustische Funktion, sondern sind lediglich auf das Abstützen ausgerichtet, wie es der Künstler von herkömmlichen Instrumenten gewohnt ist. Die Tonerzeugung bzw. -verstärkung erfolgt also nicht über den Korpus, sondern mittels elektronischer Verarbeitung der Signale, die dann über Kopfhörer zu den Ohren gelangen. Um den Übungseffekt zu verstärken, können zusätzlich Musikstücke oder andere Instrumente in die "SLG" direkt eingespielt und hinzugemischt werden, die der "Silent Guitarist" dann nach Belieben begleiten kann.
November 2003
(1.680 Wörter, 10.799 Zeichen)
Bilder
Die Fotos zeigen Impressionen aus der Dechenhöhle - die obigen Inhalte und Stationen finden sich wieder.